Es ist so weit: Der Kiezladen „MaHalle“ eröffnet

Wir haben viel vor in Kreuzberg und Neukölln. Ein Teil dieser Ziele besteht in der Schaffung von nicht-kommerzieller, politischer Infrastruktur für die Nachbarschaften. In Kreuzberg36 können wir da nun einen Erfolg verbuchen.

Am Sonntag, den 14. Oktober, eröffnet der Kiezladen „MaHalle“ in der Waldemarstraße 110.

„MaHalle“, türkisch für „Kiez“, ist das Ergebnis monatelanger Umbauarbeiten, an denen wir uns zusammen mit einer Reihe anderer Kollektive beteiligten: Die Genoss*innen des ehemaligen „Red Stuff“ sind mit im Boot, katalanische Solidaritätsgruppen, die Nachbarschaftsinitiative „Bilgi Saray“, die linke türkische und kurdische Plattform HDK und viele weitere.

Als Kiezkommune werden wir ab 27. 10. jeden Samstag von 12 bis 22 Uhr unseren offenen Anlaufpunkt im Laden haben. Es gibt eine kleine Bibliothek, eine große Gemeinschaftsküche, Kaffee, Tee und vor allem die Gelegenheit miteinander ins Gespräch zu kommen und zu planen, wie wir uns dieses Kiez aneignen und ihn selbst gestalten können.

Zusätzlich zum offenen Café wird es ab Anfang Dezember jeden Samstag vormittag von 10 bis 12 Nachhilfe Deutsch mit zwei Leuten geben, die kurdisch/deutsch und arabisch/deutsch unterrichten. Außerdem wird es ein politisches Abendprogramm geben, jeweils für einen Monat im Voraus geplant. Hier seht ihr schon mal die Planung für den ersten Monat:

Programm Oktober/November

27. Oktober: Eröffnungsabend: Die Kommune kämpft, die Kommune feiert.

Am 27. Oktober beziehen wir den frisch renovierten und neu eröffneten Kiezladen „MaHalle“ in der Waldemarstraße 110. Ab 12 Uhr könnt ihr zu Kuchen und Kaffee vorbeikommen, am Abend kochen wir was Schönes. Dazu gibt‘s Arbeiterlieder von Nachbarn für Nachbarn.

03. November: Heraus zum Frauenstreik!

Schon im vergangenen Jahr streikten rund um den Internationalen Frauenkampftag am 8. März weltweit Millionen Frauen. Gründe haben sie genug: Schlechter bezahlt im Job, im Haushalt, in Erziehung und Pflege übernehmen sie die undankbarsten Arbeiten in der Gesellschaft. Sexismus und aufgezwungene Rollenbilder machen Frauen das Leben schwer. Der Frauenstreik steht nun auch in Deutschland vor der Tür. Wir haben eine Genossin eingeladen die uns einen kurzen Input über den derzeitigen Stand in den Frauenstreikstrukturen geben wird. Was ist bis jetzt International passiert und wie können wir uns direkt im Kiez einbringen? Darüber wollen wir uns austauschen und einen schönen Abend haben. Ab 18 Uhr.

10. November: Problemjob Tourismusbranche

Die gezielte Vermarktung unseres Kiezes für Massentourismus ist nicht nur ein Problem für uns Kreuzberger und Neuköllner Anwohner*innen. Auch für die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Tourismusbranche gilt: Die Bosse scheffeln Geld und die Beschäftigten schuften. Wir wollen mit Hostel-Mitarbeiter*innen und den kämpfenden Angestellten der Billigairlines Ryan Air (angefragt) ins Gespräch kommen. Ab 19 Uhr.

17. November: KiezKino – #besetzen im Jahr 1971

#besetzen ist in aller Munde und gerade in unserem Kiez hat das Aneignen von Räumen und Träumen eine lange Geschichte. Deshalb wollen wir ein wenig zurückblicken, ein paar Jahrzehnte jedenfalls: Am 8.12.1971 besetzen mehrere hundert Lehrlinge, Schüler und Schülerinnen, junge Arbeiter*innen und Jugendliche, die meist aus Heimen oder autoritären Familien abgehauen waren, einen Teil des leerstehenden Bethanien-Krankenhauses am Mariannenplatz in Berlin-Kreuzberg auf der Suche nach einem selbstbestimmten Leben.

Der Film „Allein machen sie dich ein“ gibt eine Momentaufnahme dieser ereignisreichen Zeit. Ab 18 Uhr.

Gemeinsam die Kiezkommune aufbauen!

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Nazi-Security raus aus unserem Kiez!

Update, 6. September:

Am vergangenen Mittwoch versammelten sich erneut rund ein Dutzend Kreuzberger*innen vor dem Rewe am Kottbusser Tor, um die Nachbarschaft über den Einsatz eines Faschisten als Security am Kottbusser Tor aufzuklären.

Bereits ein erster Auftakt vor zwei Wochen (siehe Bericht unten) hatte bei der Geschäftsführung Wirkung gezeigt – wie uns mehrere Beschäftigte mitteilten. Am Mittwoch nun kam es recht rasch zu einem Gespräch mit der Geschäftsführung in dessen Verlauf die Rewe-Chefin zusicherte: „Der wird hier nicht mehr eingesetzt.“

Wir bedanken und bei den Freundinnen und Freunden, die an den beiden Aktionen teilnahmen und freuen uns über den raschen Erfolg. Solltet ihr entgegen der Zusicherung einen Typen mit Nazi-Tattoos am Kotti beobachten, schreibt uns.

Solidarisch,
eure Kiezkommune


Am vergangenen Freitag Abend versammelten wir uns zusammen mit etwa 30 Freund*innen und Nachbar*innen vor dem Rewe am Kottbusser Tor. Unser Anliegen: Ein dort beschäftigter Mitarbeiter einer Security-Firma ist Anwohner*innen aufgefallen, weil er neonazistische Tätowierungen zur Schau trägt und sich aggressiv gegenüber linken und migrantischen Nachbar*innen verhält.

Im Kiez sprach sich die Anwesenheit des Faschisten rasch herum. Also beschlossen wir, auch die Kund*innen und Mitarbeiter*innen des Rewe aufzuklären und zu fordern, der Faschist möge aus unserer Nachbarschaft verschwinden. Wir verteilten 300 Flugblätter vor der Tür des Kaufhauses, kamen mit vielen Passant*innen ins Gespräch. Die Resonanz war eindeutig: So ein Typ hat hier nichts verloren. Viele Menschen beschwerten sich an der Rewe-Kasse. Nach etwa fünfzehn Minuten tauchte eine Security-Kollegin des Neonazis auf. Sie forderte uns auf, die Aktion zu beenden, was wir ablehnten. Drei unserer Freund*innen gingen daraufhin in den Laden, um ein Foto des Neonazis zu überreichen und Klärung zu fordern. Bei Rewe war es indes keine Neuigkeit, dass hier ein Nazi arbeitet. Im Gegenteil, die Security-Angestellte versuchte abzuwiegeln („Der kann ja auch seine Meinung haben“, „die Tätowierungen sind Jugendsünden“, „ihr habt ja auch Tätowierungen“). Als das nichts half, rief sie die Polizei zur Hilfe.

Die war ohnehin am Kotti präsent, kam also auch sehr schnell und versuchte sofort, einen Jugendlichen zu kriminalisieren, der Flyer in der Hand hatte. Allerdings: Fünf Cops fühlten sich angesichts der gut 40 solidarischen Nachbar*innen dann doch nicht in der Lage, jemanden festzunehmen. Wir beendeten die Aktion, nicht wegen der Cops, sondern weil wir keine Flugblätter mehr hatten.

Unser Eindruck: Beim Rewe weiß man genau, wen man da beschäftigt. Noch will man die Situation aussitzen. Wir werden die Aufklärungsarbeit über diesen Neonazi fortsetzen, Öffentlichkeit und Druck schaffen, bis er weg ist. Wir freuen uns, wenn weitere Initiativen aus dem Kiez dieses Anliegen unterstützen.

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#besetzen

Liebe Leute hinter dem Hashtag, liebe Besetzer_innen und Unterstützende,

danke für eure klug überlegten, wichtigen Aktionen von vergangenem Sonntag. Auch wenn die Häuser letzten Endes nicht zu halten waren – ihr habt eine nicht nur deutschlandweite, sondern internationale Debatte um Leerstand, Verdrängung und Gentrifizerung ausgelöst, und, noch wichtiger, gezeigt, dass Selbstorganisierung die einzig richtige Antwort ist und obendrein auch noch funktioniert.

Hat man die Chance genutzt und im Umfeld der Besetzungen mit Anwohnenden und Vorbeilaufenden gesprochen, ergab sich das Bild, dass der größte Teil der Leute viel Verständnis für die Form eurer Aktion und sehr, sehr viel Unverständnis und Wut über die Wohnungspolitik Berlins und die Mechanismen des sogenannten freien Marktes mit sich tragen. Und sie haben Recht: wie kann es denn sein, dass einen Steinwurf von der Thomashöhe entfernt, in einer Gegend, in der Leute massenhaft aus ihren Wohnungen gekehrt werden um diese zum doppelten Preis neu vermieten zu
können, 40 Wohnungen seit mehreren Jahren leer stehen? Wie kann es sein, dass in der Reichenberger Straße, die neuerdings viel Platz zu haben scheint für hippe Bars und den riesigen Konzern Google, mindestens ein Ladengebäude ebenfalls seit Jahren leer steht? Wie kann es sein, dass Bullen, Politik und Eigentümer_innen es mit aller Gewalt verhindern, dass dieser Laden mit Leben gefüllt wird? Mit Leben gefüllt wird von den Leuten übrigens, die letztes Jahr nach Jahren lebendiger, selbstverwalteter Nachbarschaftspolitik aus ihren Räumen in der Friedelstraße 54 gejagt wurden, die bis heute ungenutzt vor sich hinvegetieren.

Die Antwort ist relativ einfach. Es ist profitabler für Eigentümer_innen, Häuser jahrelang leer stehen zu lassen, statt sie ihrem Zweck zurückzuführen – der Nutzung durch Menschen. Dass auf der anderen Seite Zehntausende in dieser Stadt kein Obdach haben, dass am Tag 20 Zwangsräumungen allein in Berlin stattfinden, ist ihnen und anderen skrupellosen Schreibtischtäter_innen offenbar ziemlich scheißegal. Und ebenso der rot-rot-grünen Regierung: Gerade Leute, die noch irgendeine Form von Hoffnung vor allem in die Partei DIE LINKE gesetzt haben mögen, wurden an diesem Sonntag aufs Neue enttäuscht. Ingo Malter, Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft „Stadt und Land“, denen das kurzzeitig besetzte Haus in der Bornholmer Straße gehört, bot an die Entscheidung, ob die Leute rausgeräumt werden, an die Politik zu übertragen – die aber die Verantwortung von sich wies. Und Berlin wird nunmal unter anderem von der Partei DIE LINKE, die mit sozialen Slogans und hohlen Phrasen wie „Die Stadt gehört euch“ auf Wähler_innenfang geht, regiert. Es waren also letztendlich auch sie, die die die brutale Räumung mitzuverantworten haben.

Auf den bitteren Zynismus dieser Partei, die die Unverfrorenheit besaß, eine Stellungnahme herauszutwittern, die das Anliegen der Besetzer_innen als „richtig“ befand, brauchen wir an dieser Stelle nicht weiter einzugehen. Nur noch eine Sache, um ihre Lügen zu verdeutlichen: das Haus wurde unter dem Vorwand geräumt, es sei „statisch gefährdet“, und man könne die „Sicherheit“ der sich darin befindenden Personen nicht gewährleisten, außerdem sei das auch der Grund für den jahrelangen Leerstand. Was aber ist mit den Nachbar_innen, die seit Jahren den rechten Seitenflügel desselben (!) Hauses bewohnen? Müssen wir das Problem mit der Statik so verstehen, dass es jederzeit passieren könnte, dass auf magische Weise die linke Seite des Hauses umkippt, während die rechte Seite fröhlich und „sicher“ und bewohnt vor sich hinsteht? Und wie könnt ihr von Besorgnis um Sicherheit sprechen, wenn ihr Hunde und nicht weniger abgerichtete Arschlöcher losschickt, Jagd auf Menschen zu machen und sie physisch wie psychisch anzugehen?

Apropos: ihr, liebe Besetzer_innen, musstet an diesem Sonntag Schikanen und Gewalt vonseiten der Bullen, die mit einer Hundestaffel das Gebäude stürmten, ertragen. Wir hoffen von Herzen, dass es euch allen gut geht. Redet über eure Erfahrungen mit euren Freund_innen und Genoss_innen, passt aufeinander auf und lasst euch nicht unterkriegen. Ihr seid nicht allein, und wir senden euch an dieser Stelle unsere Liebe und Solidarität, die so viel stärker wiegen und so viel schöner und wichtiger sind als ihr Hass und ihr Gehorsam.

Desweiteren sagen wir: das Problem heißt Eigentum und Kapitalismus. Es darf nicht sein, dass Wohnraum eine Ware ist, die irendwelchen Leuten gehören darf – Leute, die mit diesem Wohnraum, der so dringend benötigt wird, auch noch spekulieren, um noch reicher zu werden als sie es eh schon sind. Das Problem sind außerhalb Regierungen, die uns unsere Mündigkeit absprechen und die Fähigkeit, über uns selbst zu entscheiden. Regierungen, die dem Kapitalismus unterworfen sind und in dessen Interesse handeln statt im Interesse derer, die sie meinen unterwerfen zu können.

Aber: diese Annahme ist falsch. An Aktionen wie denen am Sonntag können wir sehen, dass es immer und überall Menschen gibt und geben wird, die sich weigern, sich zu unterwerfen, die bereit sind, ihre Angelegenheiten selber in die Hand zu nehmen und die aufhören, auf andere zu hoffen. Wir können uns vorstellen, wieviel Organisation, Sorgfalt und Arbeit in dieses Projekt geflossen ist, und diese Arbeit war in keinem Fall umsonst. Der Schlüssel zu unserer aller Freiheit ist Selbstorganisierung und das Bewusstsein darüber, dass wir die Dinge, die uns betreffen, selber entscheiden können – und das in dieser Konsequenz auch tun. Ihr habt genau das gemacht, und ihr habt anderen Leuten aufgezeigt, dass es möglich ist, sich selber zu ermächtigen. Und weiter: nicht nur, dass es möglich, sondern dass es nötig ist, denn keine Partei wird unsere Interessen durchsetzen, kein_e Politker_in uns unterstützen, kein_e Polizist_in unsere Rechte umsetzen und verteidigen. Deswegen: vernetzen wir uns, bilden wir Kiezkommunen, sprechen wir darüber, wie wir unsere Entscheidungen selbst treffen und in die Tat umsetzen, unterstützen wir uns gegenseitig, verteidigen wir uns und unsere Rechte selbst.

Solidarische Grüße und bis bald,

eure Kiezkommune

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Infotisch: Bilder

Heute konntet ihr uns mit einem Infotisch auf der Karl-Marx-Straße in Neukölln finden. Neben unseren Kiezkommune-Flyern haben wir Material von Café Sabo, Zwangsräumung Verhindern und der Friedel ausgelegt. Wir werden auch weiterhin Infotische in Neukölln und Kreuzberg aufbauen und hoffen, den einen oder die andere von euch dort zu treffen.

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Wer wir sind und was wir wollen

Wer wir sind und was wir wollen

Wir sind ein Zusammenschluss verschiedener Leute, die in Kreuzberg und Neukölln leben. Wir sind jung und weniger jung, manche lohnarbeiten, andere studieren oder sind arbeitslos. Manche kommen aus Berlin, manche aus anderen Städten und anderen Ländern. Was uns eint, ist die Vorstellung einer anderen Gesellschaft und eines anderen Zusammenlebens. Wir kämpfen für eine antikapitalistische Stadt. Eine Stadt, in der alle das Recht auf Arztbesuche und medizinische Unterstützung haben, in der Nachbar_innen einander unterstützen, anstatt zu vereinzeln. Eine Stadt, in der das soziale Leben auf den Straßen, auf den Plätzen und in den Häusern gemeinsam stattfindet, in der wir uns unterstützen in unseren Angelegenheiten, in der niemand alleine gelassen wird mit seinen Problemen. In der kulturelle Angebote nicht mehr vom Geldbeutel abhängen, sondern von der Lust, diese zu nutzen und zu gestalten. Eine Stadt, in der Cafés zu Orten der Bildung und der Diskussion werden. Eine Stadt, in der Kindergärten und Schulen Kinder befähigen, selbstständig zu denken, anstatt sie möglichst wirtschaftsorientiert auszubilden. Eine Stadt, die unserer Gestaltung, unseren Diskussionen und Vereinbarungen unterliegt. Eine Stadt, in der sich die Menschen einer Straße zu einer Kiezkommune zusammenschließen, diese sich mit anderen Kiezkommunen vernetzt und gemeinsam die Belange des Kiezes, auf der Basis von menschlichen, nicht kapitalistischen Bedürfnissen regelt.

Warum wir das wollen

Gentrifizierung ist ein Aspekt der kapitalistischen Ausgestaltung der Stadt, und deren Folgen bestimmen das Leben in Neukölln und Kreuzberg. Noch vor wenigen Jahren als „Problemviertel“ stigmatisiert und deswegen mehr oder minder sich selbst üerlassen, sind heute diese Stadtteile als „hip“ deklariert und werden in Turbogeschwindigkeit gentrifiziert. Unsere Stammkneipen, Cafés oder Läden des täglichen Bedarfs wurden geschlossen und durch teure Espressobars oder Klamottenläden ersetzt. Freunde, Freundinnen oder Verwandte mussten wegziehen, weil sie sich die explodierenden Mietpreise nicht mehr leisten konnten. Andere, die nicht innerhalb der kurzen Fristen eine neue Wohnung finden konnten, wurden mithilfe der Berliner Polizei zwangsgeräumt. Menschen, die vom Jobcenter abhängig sind, haben erst gar keine Chance, in diesen Kiezen eine neue Bleibe zu finden, da die Vermieter_innen eh nur noch „solvente“ Mieter_innen zulassen. Ein Eintrag in der SCHUFA – und du bist raus aus dem kreuzberger und nordneuköllner Wohnungsmarkt. Abseits dessen werden inzwischen fast nur noch Luxuslofts und Eigentumswohnungen gebaut. Das alles geschieht ohne dass wir, die in diesem Kiez wohnen, arbeiten und leben, gefragt werden. Aber wir wollen selbst bestimmen, was in unseren Straßen, auf unseren Plätzen und in unseren Häusern passiert und haben keinen Bock drauf, dass unser Kiez zu einer Konsummeile wird, in der das Kapital das Straßenbild bestimmt.

Solidarität statt sozialer Vereinzelung

Der Kapitalismus und die Gentrifizierung greifen uns tagtäglich an. Vor allem die soziale Vereinzelung und das Zerreißen unserer sozialen Netzwerke werden immer mehr zum Problem. Wir wollen unser Leben in die eigenen Hände nehmen, wir wollen gemeinsam kämpfen und uns nicht mehr durch die Polizei, die Vermieter_innen, das Jobcenter oder die Gerichtsvollzieher_innen einschüchtern lassen. Wir wollen das Leben in unseren Kiezen selbst gestalten. Und dazu müssen wir uns zusammenschließen und uns gegenseitig unterstützen. Wenn wir die Probleme unserer Nachbar_innen, Freund_innen oder Kolleg_innen kennen, können wir sie auch gemeinsam lösen – gelebte Solidarität gegen Ausgrenzung und Verdrängung. Dass Solidarität kein leeres Wort ist und auch nicht sein muss, können wir an den verschiedenen verhinderten Zwangsräumungen sehen, an den Mietenkämpfen unserer Nachbar_innen, an den Arbeitskämpfen von Menschen in ihren Betrieben gegen miese Arbeitsbedingungen und Ausbeutung.

Eine bessere Perspektive können wir nur gemeinsam verwirklichen

Die Bundesregierung oder der Berliner Senat werden uns nicht helfen. Denn es liegt nicht in ihrem Interesse, das Bestehende zu verändern. Viele von uns haben den Verkauf des Berliner Sozialwohnungsbaus an private Firmen unter Rot-Rot noch gut in Erinnerung, ebenso die Kuschelpolitik der CDU, um privaten Investor_innen nahezu alles zu ermöglichen. Die immer mieseren Arbeitsbedingungen durch Leiharbeit, befristete Verträge und Konkurrenz und Ausbeutung liegt nur im Interesse derer, die davon profitieren. Wir haben kein Interesse an einem Gesundheitssystem, das uns in Zukunft danach behandelt, ob wir arm oder reich, dick oder dünn, jung oder alt sind. Wir haben kein Interesse an Zwangsarbeit und Zurichtung in Form von Hartz IV oder Ein-Euro-Jobs.

Wir fordern keine „billigere“ oder „sozialverträgliche“ Miete. Wir wollen kein Stück vom Kuchen, sondern die ganze Bäckerei. Es ist nicht hinzunehmen, dass unser Kiez und unsere Wohnungen privatisiert werden, dass irgendwelche reichen Arschlöcher bestimmen, wer hier wohnen darf und wer nicht. Wohnraum ist keine Ware. Uns interessiert nicht, wer auf irgendeinem Papier unterschrieben hat, dass ihm ab sofort dieses oder jenes Gebäude gehört. Wir wollen die Kollektivierung des Wohnraums, aber unabhängig vom Bezirksamt. Das heißt: wir, der Kiez, bestimmen unsere eigene Wohnungspolitik. Wir sagen, dass jede_r das Anrecht auf eine gute Wohnung hat, unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht oder Geldbeutel.

Wir wollen einen Wandel für unseren Kiez und unsere Stadt. Zusammen, und nur zusammen, können wir eine Alternative zu dem ganzen Mist um uns herum erarbeiten. Wir organisieren uns von Unten, solidarisch und entschlossen. Uns interessieren nicht diejenigen, die eh schon Geld, Macht oder Ansehen haben, sondern wir wollen mit denen kämpfen, die die gleichen Probleme haben wie wir: egal, ob sie Stress mit dem Jobcenter haben, soziale Ausgrenzung oder Rassismus erleben oder sich gegen steigende Mieten und Zwangsräumungen wehren wollen.

Wir haben den Wunsch auf ein anderes und besseres Leben noch lange nicht aufgegeben.

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